Computerschach

Die Schachautomaten des Torres Quevedo

Hans-Peter Ketterling Eine der schöpferischsten Erscheinungen, die vom letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts bis weit in unser Jahrhundert hinein wirkte, war der spanische Gelehrte, Ingenieur und spätere Vorsitzende der Akademie der Wissenschaften in Madrid Torres Quevedo (1852 - 1936), der neben vielen anderen Dingen ebenfalls eine große Anzahl von mathematischen Apparaten entworfen und gebaut hat. Er schuf auch die erste echte Schachmaschine, mit der er demonstrieren wollte, daß künstliche Systeme selbständig sinnvoll auf sich ändernde Situationen reagieren können. Neben rein mechanischen Hilfsmitteln bediente er sich auch elektromechanischer, also Relais und Motoren, und erarbeitete auch Konzepte für digitale Rechenmaschinen. Viele seiner Erfindungen, darunter auch die beiden, allerdings nicht mehr funktionsfähigen, Schachmaschinen befinden sich heute in einem kleinen Museum in der Escuela Tecnica Superior de Ingenieros de Caminos, Canales y Puertos in Madrid, wo ich sie im Mai 1981 selbst in Augenschein nehmen konnte.

Elektronische Schachuhren – pro und contra

Hans-Peter Ketterling

22. Januar 2009

Die weithin diskutierte und teilweise schon realisierte Einführung der neuen FIDE-Bedenkzeiten erfordert zwingend elektronische Schachuhren, die man selbstverständlich auch für die herkömmlichen Bedenkzeitregelungen verwenden kann. Solche Uhren bieten eine Reihe interessanter Möglichkeiten, die für ihren Einsatz und ihre möglichst schnelle allgemeine Einführung sprechen. Es ist jedoch eine Illusion zu glauben, dass mit ihnen alles besser wird! Es gibt nämlich einige Schattenseiten, und so lohnt sich ein etwas genauerer Blick auf die mit der Einführung und Verwendung elektronischer Schachuhren verbundenen Vor- und Nachteile. Zuvor soll aber ein kurzer Blick zurück das Aufkommen des Gebrauchs von Schachuhren beleuchten.

Die echten Türken - Schachautomaten, die ihre Steine selbst setzen

Von Hans-Peter Ketterling

Es heißt zwar Schachspiel, aber Schach ist ganz eindeutig mehr als ein Spiel. Es hat spielerische, künstlerische, kampfbetonte und wissenschaftliche Elemente, und das Spielen von Schachpartien wird heute von vielen Menschen als Hobby oder professionell als Spiel oder Sport betrieben. Eine künstlerisch-schöpferische Beschäftigung mit dem Schachspiel erfolgt insbesondere auf den Gebieten der Problem- und Studienkomposition. Seit Jahrhunderten wird das Schachspiel aber auch mit mathematisch-wissenschaftlichen Methoden untersucht, und die Ergebnisse haben sich nicht nur in der modernen Spielführung von Turnierschachpartien, sondern auch in einer überaus reichhaltigen Literatur niedergeschlagen. Zudem sind Schach und Informatik in Gestalt des Computerschachs seit einigen Jahrzehnten eine neue Verbindung eingegangen, so daß sich inzwischen jedermann zu erschwinglichen Preisen einen Schachcomputer oder ein Schachprogramm für seinen PC leisten kann.

"Speaking without lips, thinking without brain"

Unter dem oben genannten Titel lief vom 2. bis zum 30. Juli im Foyer der Humboldt-Universität eine interessante Ausstellung über diese beiden Themen, mit denen der ungarische Baron Wolfgang von Kempelen unsterblich geworden ist. Von Kempelen war nicht nur Beamter am Hofe Maria Theresias und Josephs II, sondern auch ein ideenreicher Erfinder.

Ein Vierteljahrhundert Mikroschachcomputer

von Hans-Peter Ketterling

Im Herbst 1977 waren die beiden ersten Schachcomputer des Typ CHESS CHALLENGER 3 auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin zu bewundern. Belächeln wäre eigentlich die passendere Formulierung, denn ihre Leistung reichte nicht einmal dazu aus, Anfängern und Gelegenheitsspielern ernsthafte Probleme zu stellen. Das ist nun zwei Dutzend Jahre her und im März 2002 wird genau ein Vierteljahrhundert vergangen sein, seit in den USA der erste kommerzielle Schachcomputer CHESS CHALLENGER herauskam. Inzwischen hat das Computerschach einen festen Platz im Bewußtsein nicht nur der Schachspieler, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit erobert, und die gebotene Spielstärke hat bei PC-Schachprogrammen und den besten Schachcomputern ein Niveau erreicht, das selbst Meisterspielern Respekt abnötigt.